Die Bundeswehr steht vor großen Herausforderungen: Der akute Personalmangel und die verschärfte Bedrohungslage durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine haben das Verteidigungsministerium dazu veranlasst, eine erhebliche Verstärkung der Reserve zu planen. Ziel ist es, bis zu 60.000 ehemalige Soldaten schnell einsatzbereit zu halten, um die aktive Truppe im Ernstfall zu unterstützen.
Aktueller Stand und geplante Erweiterung
Derzeit verfügt die Bundeswehr über rund 44.000 sogenannte Grundbeorderte Reservisten. Diese Reservisten sind für spezifische Aufgaben eingeplant und verfügen über die notwendigen Fähigkeiten, um im Krisenfall rasch aktiviert zu werden. Generalleutnant Andreas Hoppe, Stellvertreter des Generalinspekteurs und Beauftragter für Reservistenangelegenheiten, betonte die Notwendigkeit, die Reserve an die aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen anzupassen. Die Planungen sehen vor, die Zahl der Grundbeorderten auf bis zu 60.000 zu erhöhen.
Die Rolle der Reserve in der Verteidigungsstrategie
Die verstärkte Reserve soll ähnlich wie während des Kalten Krieges ausgebildet und ausgerüstet werden, um die aktive Truppe im Kampf zu unterstützen oder zu ersetzen. Diese Maßnahme ist Teil einer umfassenderen Strategie, die Bundeswehr widerstandsfähiger und anpassungsfähiger zu machen. Generalleutnant Hoppe erklärte: „Ich bin der Überzeugung, dass wir die Reserve ganz den aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen anpassen müssen.“
Neue Konzepte und Modelle
In der kommenden Woche wird Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) dem Verteidigungsausschuss des Bundestags seine Pläne für ein neues Wehrdienstmodell vorstellen. Nach Informationen des SPIEGEL wird dieses Modell keine Rückkehr zur Wehrpflicht beinhalten. Stattdessen wird das Ministerium prüfen, wie viele ehemalige Soldaten, die nicht in der Grundbeorderung gehalten werden, aber grundsätzlich im Verteidigungsfall einsatzbereit sind, aktiviert werden können. Diese Gruppe, bekannt als unbeorderte Reservisten, umfasst alle, die irgendwann einmal Dienst in der Bundeswehr geleistet haben und noch innerhalb der Altersgrenzen liegen. Laut Generalleutnant Hoppe handelt es sich hierbei um etwa 800.000 Personen.
Herausforderungen und Lösungsansätze
Die Zahl der unbeorderten Reservisten nimmt jedoch kontinuierlich ab, da viele ehemalige Soldaten die Altersgrenze überschreiten. „Es schmilzt jedes Jahr ab. Das heißt, wir müssen gegensteuern und auch zusätzlich Personal finden und gewinnen für die Reserve“, so Hoppe. Die Bundeswehr steht vor der Herausforderung, neue Reservisten zu rekrutieren und gleichzeitig die bestehende Reserve aktiv und einsatzbereit zu halten.
Politische Unterstützung und Forderungen
Die Notwendigkeit einer starken Reserve wird auch von politischen Akteuren unterstützt. Kürzlich forderte die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann die Aktivierung von 900.000 Reservisten. Sie betonte die Dringlichkeit der Situation angesichts der aggressiven Politik Russlands: „Putin trimmt sein Volk auf Krieg und bringt es in Stellung gegen den Westen. Daher müssen wir so schnell wie möglich verteidigungsfähig werden.“
Fazit
Die Bundeswehr plant eine umfassende Aufstockung und Reaktivierung der Reservisten, um den aktuellen sicherheitspolitischen Herausforderungen gerecht zu werden. Die Erhöhung der Zahl der Grundbeorderten auf 60.000 ist ein wichtiger Schritt, um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands zu stärken. Gleichzeitig müssen neue Modelle und Konzepte entwickelt werden, um auch unbeorderte Reservisten effektiv einzubinden. Die Unterstützung durch politische Entscheidungsträger unterstreicht die Dringlichkeit dieser Maßnahmen. In den kommenden Wochen und Monaten wird sich zeigen, wie erfolgreich die Bundeswehr diese Pläne umsetzen kann und welche Auswirkungen dies auf die Sicherheitspolitik des Landes haben wird.



