Wut ist da – im Privaten, im Netz, im Arbeitsalltag und in politischen Debatten. Dennoch fällt es vielen schwer, ihr einen Platz zu geben. Genau an diesem Punkt setzt eine Berliner Theaterpremiere an, die am 16. September im HAU Hebbel am Ufer zu sehen ist.
„Etwas Schreckliches wird passieren: Die Menschenfresserin“ heißt die Arbeit von Sophia Süßmilch. Nach Angaben des HAU und des offiziellen Hauptstadtportals Berlin.de untersucht die Inszenierung, was geschieht, wenn unterdrückte Gefühle nicht länger still bleiben. Im Mittelpunkt stehen Angst, Trauer, Sehnsucht und Wut – und die gesellschaftlichen Bilder, die besonders weibliche Wut bis heute begleiten.
Wenn Gefühle zur öffentlichen Frage werden
Im Alltag gilt Wut schnell als unvernünftig oder unangenehm. Wer laut wird, muss sich oft rechtfertigen. Wer zu lange schweigt, trägt die Spannung mit sich herum. Theater kann solche Widersprüche sichtbar machen, ohne sie sofort auflösen zu müssen. Es schafft einen Raum, in dem etwas ausgesprochen, überzeichnet oder körperlich erfahrbar werden darf.
Die Produktion verbindet Tanz, Schauspiel und Musik mit einer grotesken, bildstarken Ästhetik. Die namensgebende Menschenfresserin kehrt laut Ankündigung das bekannte Verhältnis um: Sie bleibt nicht Objekt von Bewertung und Konsum, sondern wird selbst zum handelnden Subjekt. Das ist keine alltägliche Erzählweise – gerade deshalb kann sie einen Zugang zu Fragen eröffnen, für die es im normalen Gespräch oft keine einfachen Worte gibt.
Warum weibliche Wut noch immer irritiert
Wut wird nicht bei allen Menschen gleich gelesen. Bei Frauen wird sie oft schneller als übertrieben, hysterisch oder gefährlich abgetan. Solche Zuschreibungen prägen, wer sich in einer Diskussion Raum nehmen darf und wer lieber leise bleibt. Die Inszenierung greift diese Erfahrung auf und macht daraus keine Lehrstunde, sondern eine performative Begegnung mit Körpern, Stimmen und Bildern.
Damit berührt der Abend ein Thema, das weit über die Bühne hinausgeht. Wie reagieren wir, wenn jemand eine Grenze zieht? Wann wird Ärger ernst genommen – und wann nur als Störung empfunden? Und wie lässt sich aus einem Gefühl, das zerstörerisch wirken kann, auch Klarheit oder Veränderung gewinnen?
Kultur als Ort für schwierige Gespräche
Die Premiere im HAU1 in Berlin-Kreuzberg beginnt um 19 Uhr; die Veranstaltung ist laut Berlin.de für Menschen ab 16 Jahren empfohlen. Auch wer nicht selbst im Publikum sitzt, kann den Gedanken mitnehmen: Gefühle verschwinden nicht, nur weil ihnen kein Platz eingeräumt wird. Kunst kann sie nicht für uns lösen. Sie kann aber zeigen, wie komplex sie sind – und warum es sich lohnt, hinzusehen.
Quelle: Berlin.de: Veranstaltungsdetails zu „Etwas Schreckliches wird passieren: Die Menschenfresserin“.



